St. Johannis-Harvestehude im Wandel der Zeit

Am 27. Januar 1879 gab der Kirchenrat bekannt, dass von den zuständigen Behörden die Bildung einer neuen Kirchengemeinde "Harvestehude" beschlossen wurde.
Als Grenzen des Kirchspiels wurden damals festgesetzt: das westliche Alsterufer, die St. Benediktstrasse, das Jungfrauenthal, die Eichenallee (jetzt Brahmsallee) bis zur Hallerstrasse, die Hallerstrasse bis zum Schlump, Schlump bis zur Bundesstrasse hinunter bis zur Verbindungsbahn und als Fortsetzung nach Osten das Alsterglacis bis zur Einmündung der Strasse Alsterufer.

Eine Gemeinde entsteht - Gegen vielfältigen Widerstand

Die ersten Bemühungen um die Erbauung einer Kirche vor dem Dammtor reichen bis 1850 zurück. Nach dem großen Hamburger Brand von 1842 waren immer mehr Menschen vor die Tore der Stadt, also auch vors Dammtor, gezogen. Wohlhabende Hamburger Kaufmannsfamilien hatten seitdem ihre Sommerhäuser in dieser schönen Gegend im Alstervorland zu festen Wohnsitzen ausgebaut.
So hatte sich das Gebiet zwischen Alster und Rothenbaumchaussee um die Mitte des 19. Jahrhunderts bevölkert, und die Neubürger waren voller Aktivität. Sie gründeten schon 1847 eine gemeinnützige Sparkasse und ein Jahr später einen Bürgerverein. Doch brauchten sie Überzeugungskraft und Beharrlichkeit, um ihre Vision von einer Kirche vor dem Dammtor gegen vielfältigen Widerstand zu verwirklichen.

Emilie Bergeest - die treibende Kraft

„Um die Menschen zu beheimaten und der Verrohung der Jugend zu wehren“, träumte Emilie Bergeest davon, eine Kirche vor dem Dammtor zu bauen. In unübertroffener Weise engagierte sie sich für dieses Vorhaben und gewann die Unterstützung des Malers Otto Speckter und des Gründers der Alsterdorfer Anstalten Pastor Sengelmann. Sie gründete einen Damenverein zum Zweck einer Schillingssammlung und spendete selber 10.000 Courant Mark, 40 Jahreslöhne eines Arbeiters.

Hamburgs Bürgermeister J. G. Mönckeberg - Vorsitzender des ersten Kirchenvorstandes

Von 1859 bis 1879 versucht das „provisorische Comité für die Erbauung einer Kirche vor dem Dammthor“ vom Senat der Stadt Bauplatz und Baugenehmigung zu bekommen. 1879 beschloss der Kirchenrat die Gründung der Gemeinde Harvestehude und wählte einen Gemeindevorstand, zu dem auch J. G. Mönckeberg gehörte.
Am 8. Januar 1880 wurde der neu gegründete Kirchenvorstand vom Kirchenrat genehmigt, am 14. Februar die Bauarbeiten ausgeschrieben und im März die gewählten Firmen beauftragt. Die feierliche Grundsteinlegung fand am Himmelfahrtstag, dem 6. Mai 1880 statt.
Darauf folgten am 16. Juli 1881 das Richtfest des Kirchenschiffes und am 15. Oktober die des Turmes und des Pastorates. Am 1. Oktober 1882 wurde St. Johannis eingeweiht und ihrer gottesdienstlichen Bestimmung übergeben. Otto Weymann war ihr erster Pastor.
Als erster Vorsitzender begleitete J. G. Mönckeberg den Kirchbau bis zu seiner Einweihung.

Kirchweihe

Im Erntedankgottesdienst am 1. Oktober 1882 wurde die Kirche mit einem Festgottesdienst eingeweiht und Otto Weymann als erster Pastor der Gemeinde in sein Amt eingeführt. Der Architekt Wilhelm Hauers hatte versprochen, den neogotischen Bau in zweieinhalb Jahren fertig zu stellen und hatte Wort gehalten. Hamburger Familien stifteten die wunderschönen Glasfenster, Taufstein und Kanzel, Orgel und Glocken.

Pastoren an St. Johannis

Otto Weymann (1882-1903);
Adolf Bernitt (1892-99),
John Nicolassen (1897-1928);
August Cordes (1903-12);
Johannes Reinhard (1912-47);
Walter Dittmann (1928-67);
Hugo Link (1949-59);
Max Behrmann (1950-53);
Helmut Lang (1953-76);
Werner Krause (1958-66);
Olaf Lingner (1961-65);
Martin Hennig (1966-72);
Richard Blonski (1967-73);
Ulrich Wehr (1973-77);
Albrecht Nelle (1974-81);
Dr. Ilse Hass (1977-85);
Dr. Klaus Reblin (1984-95);
Thomas Beckershaus (1985-91);
Dr. Thies Gundlach (1991-2001);
Birgitta Heubach (1991-2016); 2015 ist Pastorin Birgitta Heubach-Gundlach schwer krank geworden. Sie konnte ihr Amt nicht weiterführen und ist im April 2016 von ihrem Amt entpflichtet worden. Eine große Gottesdienstgemeinde nahm von ihr als Pastorin Abschied, Pröpstin Astrid Kleist hat die Predigt dazu gehalten, sie hat uns ihre Gedanken zur Verfügung gestellt
Dr. Ulrike Murmann (1997-2001);
Frie Bräsen (2002-2003);
Christoph Römhild (2004-2009);
Dr. Constantin Gröhn (seit 2010)

Pastor Otto Weymann war der erste Pastor von St. Johannis, aber nicht der Letzte. Heute wird dieses Amt von Pastor Dr. Constantin Gröhn und interimsweise von Pastor em. Helmut Plank ausgefüllt. Zwischen damals und heute spannt sich eine lange Kette von Pastoren und Pastorinnen, die unser Kirchenschiff auch durch stürmische Zeiten gesteuert haben. Im Wandel der Zeit ist eines jedoch gleich geblieben: St. Johannis lebt durch seine Verankerung in der Gemeinde und das Engagement seiner MitarbeiterInnen und Gemeindemitglieder.

Herkunft des Kirchennamens

Ihren Namen erhielt die Kirche vor dem Dammtor von dem St. Johannis-Kloster, zu dem früher der größte Teil der neuen Gemeinde gehörte. Aus den reichen Mitteln dieses ehemaligen Klosters stammt ein großer Teil der Gelder für den Bau unserer Kirche. Seit 125 Jahren prägt St. Johannis-Harvestehude nun das Bild unseres Stadtteils.