Orgel
Die Orgel ist ein Instrument, das eine Vielzahl anderer Instrumente wie Trompeten, Flöten etc. in sich vereint. Dadurch hat es die Möglichkeit, die „himmlischen Chöre“ und die „Posaune des Jüngsten Gerichts“ zum Klingen zu bringen. Die Orgel kann jubeln, seufzen, klagen – je nach Können und Fantasie der sie Spielenden und den Möglichkeiten des Instruments.
Aus der Zeit der Erbauung der Kirche stammt auch der Grundstock der Orgel. 1882 errichtete die Firma Marcussen & Søn (Abenrå, Dänemark) ein zweimanualiges Werk mit 27 klingenden Stimmen. Die Orgel erfuhr mehrere Umbauten und erklingt nun als dreimanualiges Instrument.
Im Wandel der Zeit

Die Orgel St. Johannis-Harvestehude hat eine bewegte Geschichte hinter sich. So sehr bei der Einweihung das große handwerkliche Geschick des Erbauers und der schöne Klang der Orgel gelobt wurden, so sehr wurde auch die zu geringe Anzahl an Registern kritisiert. Mehrfach wurde sie daher erweitert und dabei auch dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend angepasst.
Denn das ursprüngliche romantische Konzept kam im 20. Jahrhundert aus der Mode und musste in zahlreichen Umintonierungen einem neobarocken Klangideal weichen. Pfeifen wurden abgesägt, der Winddruck verändert, ganze Pfeifengruppen ausgetauscht, um einen helleren, schärferen Klang zu erzielen. So kommt es, dass die meisten Pfeifen nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten sind.
Die letzte Veränderung ist der Orgel 1974 widerfahren, als die mechanische Traktur durch eine elektrische ersetzt wurde. Den so gewonnenen Raum nutzte der Orgelbauer Peter für den Einbau eines dritten Manuals. Zudem baute er einen neuen Spieltisch mit einigen Spielhilfen, der nun frei vor der Orgel steht.
Zur finanziellen Bewältigung dieser Aufgabe wurde eine neue Stiftung gegründet.
Der heutige Zustand

Heute muss man feststellen, dass die Veränderungen die Qualität des Instrumentes und des Klanges deutlich verschlechtert haben. Die später hinzugekommenen feifen erreichen nicht annähernd die Meisterschaft jener der Firma Marcussen.
Auch die gesamte Technik innerhalb der Orgel zeigt nun Verschleißerscheinungen, die einen erneuten Eingriff unabwendbar machen. Mittlerweile fallen immer wieder Teile der Orgel aus, marodes Material führt zu Heulern, hängenden Tönen und Ausfällen der Elektrik, die ein hohes Brandrisiko birgt. Die Prüfung durch den Sachverständigen der Landeskirche ergab, dass eine grundlegende Sanierung die einzige Möglichkeit ist, das Instrument zu retten.
Ziel der anstehenden Arbeiten ist es, eine Orgel von hoher Qualität zu bauen, die sich am Originalzustand orientiert. Die romantische Disposition soll rund 45 Register umfassen. Die wieder mechanische Traktur, der neue Spieltisch, die Pfeifen und die gesamte Technik hinter dem historischen Prospekt sollen qualitativ so hochwertig sein, dass dieses Instrument wieder viele Generationen überdauert. Zur finanziellen Bewältigung dieser Aufgabe wurde die Stiftung St. Johannis-Harvestehude gegründet.
Geschichte der Orgel
1882: Einweihung der Orgel, erbaut von der dänischen Firma Marcussen, bestehend aus 2 Manualen und Pedal mit 25 Registern und mechanischer Traktur
bis 1890: Erweiterung des 2. Manuals durch Marcussen
1925: Weitere Ergänzungen und erste große Umintonierungen durch die Orgelbaufirma Rother
1933: Einbau einer Taschenlade für das Schwellwerk, sowie Zinkpfeifen durch Furtwängler & Hammer
1974: Neubau hinter historischem Prospekt: Einbau eines 3. Manuals, elektrischer Trakturen und eines freistehenden Spieltisches durch die Orgelbauwerkstatt Peter
2011: Heute hat die Orgel 48 Register und 3.358 Pfeifen, verteilt auf drei Manuale und Pedal