Ausstellungen in St. Johannis-Harvestehude

Zu Gebet und Meditation gesellt sich die Reflexion - auf den neugestalten Wandflächen in den Spitzbögen der Seitenschiffe. Hier sind durch Neuanstrich und Verbesserung der Beleuchtung nahezu ideale Flächen zur Bildpräsentation entstanden.
Der Beweis: die zahlreiche Ausstellungen, denen St. Johannis bereits Raum geboten hat! Auf diesen Seiten können Sie sich einen Überlick über die vergangenen und die aktuelle Ausstellung verschaffen.
Die Kirche ist für die Betrachtung der Ausstellungen neben den regulären Gottesdienstzeiten am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10-13, am Donnerstag von 10-14 Uhr und am Sonntag von 9-16 Uhr offen.

Isabelle Krötsch: ALL EIN DIE VIELFALT

ab 27. April 2013

Am Anfang war das Wort, der Klang, die Schwingung, die Energie, der Prozess. So ist es in allen Schöpfungsmythen der
großen Kulturen zu lesen und zu spüren. Das gesprochene Wort wird zu einem Spiegel der Schöpfung und zu einer Reflexion der Welt im Augenblick. Diese Tatsache verbindet das uralte Wissen mit den Erkenntnissen der modernen Physik. Sie geht davon aus, dass wir mit jedem Gedanken, jedem Wort, jeder Handlung die Wirklichkeit weiter und neu (er)schaffen, also aktiv am Gang der Dinge beteiligt sind. Worte schaffen Wirklichkeit, als Klang, Welle und Resonanz. Und so bestimmen sie unser Bewusstsein und unser Bewusstsein bestimmt sie. Wir freuen uns, in diesem Sommer Kunstwerke von Isabelle Krötsch in unserer Kirche ausstellen zu können. Neben großen Gemälden
gehören collageartige Arbeiten zu ihren Werken. Seit den Surrealisten ist diese Gestaltungsform eine Weise, Schichten erkennbar zu machen, Schichtungen offen zu legen und so Ge-Schichten zu erzählen. Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Reise voller Überraschungen, wenn am Samstag, 27. April, um 19 Uhr anlässlich der Vernissage von Isabelle Krötsch‘s Kunstwerken die Schauspieler Hans Kremer und Heidrun Petersen-Römer Texte von Philosophen, Naturwissenschaftlern und Poeten rezitieren - verwoben mit Klängen und Improvisationen von Claus Bantzer. Dazu wird Isabell Krötsch Aquarelle und Skizzen live malen, die auf eine große Leinwand projiziert werden. Worte, Klänge und Bilder werden miteinander zu einer neuen Wirklichkeit verwoben, werden eins und behalten dennoch ihre Vielfalt.

"Scheinbare Gewissheiten" von Sylvia Goebel

September bis November 2010

"Scheinbare Gewissheiten" hat Sylvia Goebel die Ausstellung ihrer großformatigen Kunstwerke betitelt. Diese sind im wahrsten Sinne des Wortes schwerwiegend durch unzählige Schichten von Acrylfarbe. Sie lassen den kreativen Prozess erahnen, den die Künstlerin mit ihrem Werk durchschritten hat, den Weg der Auflösung als Chance zum schöpferischen Neubeginn. Wie eine Archäologin auf der Suche nach Versunkenem, legt Sylvia Goebel untere Farbschichten frei, als wolle sie an Erfahrungen erinnern, die in jedem Menschen verborgen sind, an dieses auftauchende Wissen, das in uns ruht und sehr schnell von Neuem überlagert wird. Die Gewissheit einer auf den ersten Blick schlüssige Verortung löst sich rasch auf uns zwingt, die vertrauten Wahrnehmungsgewohnheiten zu verlassen und neu sehen zu lernen. Darum verstehen wir den Blick auf diese "Scheinbaren Gewissheiten" als eine Ermutigung zum zweiten Blick, zum genauen Hinsehen, zum Schauen.

"...am dritten Tage..." von Jörg Längers

März bis April 2010

Stille, reduzierte und ausgewogene Arbeiten sind es, die entlang der Seitengänge unserer Kirche von März bis April 2010 zu betrachten sind. Jörg Längers Christusgestalten, die an einen Kreuzweg erinnern, sind auf Silhouetten reduziert. Er zitiert Darstellungen berühmter Künstler und stellt sie in einen neuen Kontext. Sie regen die Betrachtenden an inne zu halten und den Raum auszuloten, der mit diesem Leidenden aufgerissen ist. Stationen seines Weges wollen sich mit den eigenen Erfahrungen verbinden, mit der Sehnsucht nach einem offenen Himmel, nach der Überwindung des Leidens, das so viele Gesichter, Formen und Sprachen hat und nach einer Auferstehung, die sich Raum schafft mitten in Zeit und Welt.

Jörg Längers Bilder spiegeln die auf ein Höchstmaß verdichtete künstlerische und intellektuelle Auseinandersetzung mit der Grundfrage der menschlichen Existenz, warum das Leben nicht ohne Verwundungen und Leiden, Schmerz und Schuld möglich ist. Der Leidensweg Jesu ist darin ebenso exemplarisch für den Schmerz als auch für die Erfahrung von Tiefe und dem bewussten Wahrnehmen, was gut ist und gelingt, was uns in und mit allen Hoffnungen und Verletzungen trägt und ermutigt.

"Grenzüberschreitungen" von Prof. Heinz Gellrich

September bis November 2009

"Grenzüberschreitungen" nennt der in Hamburg lebende Maler und Grafiker Prof. Heinz Gellrich seine Ausstellung. In jeweils drei aufeinander bezogenen Gemälden, dem Triptychon, zeigt er Beispiele für das Streben des Menschen, immer wieder eigene Grenzen zu überschreiten. So gefährdet der Mensch sein eigenes Leben oder das kollektive Überleben wie es in dem Zyklus von 1970 "Atomium, Zerstörung und Hoffnung" gezeigt wird. Der von der Forschung und dem Fortschritt faszinierte Mensch entwickelt eine Technologie, die das Leben auf dieser Welt vernichtet. Die Apokalypse, Endzeit und Zukunftsbilder einer zerstörten Welt im Zentrum sind flankiert von Bildern einer vermessenen Weltverbesserung und einer zaghaften Hoffnung vom Aufkeimen neuer Lebensmöglichkeiten.

Im Stil der "phantastischen Neorealismus mit surrealistischen Einflüssen" eines Ernst Fuchs versinnbildlicht Heinz Gellrich mit einem hohen künstlerischen Anspruch die gescheiterten Versuche des Menschen gegen den Wettlauf. Sie zeigen, wie der Mensch immer wieder die Grenzen des Vorfindlichen und des Möglichen zu erweitern sucht. Dabei gefährdet er seine eigene Welt und kann an seiner Hybris zugrunde gehen. Zum Sinnbild dafür hat Heinz Gellrich sich den Prototyp des Ikarus aus der griechischen Mythologie gewählt. Die Motivgeschichte von Aufstieg und Fall verbindet er mit dem Sohn des griechischen Erfinders Daidalos. Für beide, Vater und Sohn, wird der Traum vom Fliegen zum Alptraum. Um der Gefangenschaft zu entfliehen, konstruiert der Vater künstliche Flügel, mit deren Hilfe er ihre Freiheit zurückgewinnen will. Doch der Drang des Sohnes zur Sonne, seine Selbstüberschätzung, führt zu seiner Selbstzerstörung. Seine Flügel schmelzen und er stürzt in die Tiefe. Zwei weitere Triptychen zeigen, dass die Wege des Menschen im Wirbel des Daseins immer und unweigerlich zum Licht der Hoffnung führen. Diese Ausstellung erinnert uns an unsere Grenzen, die unserem Wirken und Leben gesetzt sind und uns ermutigen, das richtige Maß zu finden, mit dem wir Größe und Grenzen des Menschen verantwortlich wahrnehmen können.

"Dem Glauben Gestalt Geben" von Jörg Länger

März bis April 2009

"In Christus war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis und sie hat es nicht ergriffen" (Johannes 1,4)
So beginnt Johannes sein Evangelium von dem Menschen Jesus, der als Christus das Licht und Leben der Menschen ist. Unbegreiflich, dass Gott im Menschen zur Welt kommt und dann vertrieben und verspottet, gequält und gekreuzigt wird.

Vor zwei Jahren hat Mel Gibson mit seinem Film "The Passion of Christ" dies auf brutale Weise vor Augen geführt. Zeitgleich hat der in Hamburg lebende Künstler Jörg Länger seinen Passionszyklus "...am dritten Tage..." gestaltet. Seinen feinen, stillen Arbeiten laden auf ganz andere, nicht weniger eindrückliche Weise zur Betrachtung ein. Während der Passions- und Osterzeit wird dieser Zyklus aus 14 kleinformatigen Bildern in unserem Gemeindesaal und ein weiterer aus großformatigen expressiven Werken zur Passion und Auferstehung Jesu Christi in unserer Kirche zu sehen sein.
Jörg Längers Christusgestalten sind auf Silhouetten reduziert. Er zitiert Darstellungen berühmter Künstler wie Grünewald, Rembrandt, Casper D. Friedrich, Giacometti und verfremdet sie, indem er diese in einen neuen Kontext stellt.